Die Anmeldung

Die Domus Aurea wurde am 25. 6. 1999 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht nachdem sie über 20 Jahre geschlossen war. Der Besuch ist nur nach Voranmeldung unter der Tel.-Nr. 06-39749907 möglich. Um das für die Erhaltung der Wandgemälde nötige Mikroklima stabil zu halten, werden nur Besuchergruppen von 25 Personen alle 15 Minuten eingelassen. Der Besuch dauert eine Stunde.

Im Museumsladen kann man einfache Kurzführer und ausführliche Bildbände erstehen.

Raffiniert bringt die Beleuchtung die Stuckarbeiten und Fresken in den Gewölben zum Vorschein. Der Besuch lohnt sich, auch wenn nur 32 von 150 Sälen, oder  anders ausgedrückt, 1.200 von 32.000 Quadratmetern zugänglich sind.
Dabei vermuten die Archäologen, dass weitere großartige Funde auf uns warten. Anlass zu diesen großen Hoffnungen gibt der Fund eines Freskos im Jahre 1998, das eine Stadt darstellt, möglicherweise die gallische Stadt Arles (lat. Arelate). 

 
Natürlich handelt es sich nicht um die ganze Domus Aurea, die sich über das ganze Tal erstreckte, sondern nur um die Pavillons am Fuße des Mons Oppius. Diese Pavillonanlage wurde in einen künstlichen Ausschnitt des Hügels, der zwischen 30 und 60 Meter Höhe hatte, hineingebaut. Ihre Breite betrug ca. 240 Meter.

Das Goldene Haus

Nero ging energisch ans Werk: er plante den Wiederaufbau der Stadt auf einem regelmäßigeren Grundriss, als das historisch gewachsene Stadtbild vorher zugelassen hatte. Die Straßen sollten verbreitert, freie Räume geschaffen werden; für die Arbeiter, die ihre Wohnungen verloren hatten, sollten moderne Mietshäuser entstehen. Den Löwenanteil seiner kreativen Energie verwendete der Kaiser jedoch darauf, mit seinen Architekten Severus und Celer die Baupläne für das sogenannte „Goldene Haus“ zu entwerfen, einen prachtvollen Palast, der sich über eine Fläche von 80 Hektar vom Palatin bis zum Esquilin erstrecken und auch noch einen Teil des Caelius-Hügels umfassen sollte.

Dieses war eine Villa in der Art der später von Hadrian bei Tivoli erbauten.
 

Die Anlage umfasste neben verschiedenen Gebäuden sehr ausgedehnte Gärten mit Teichen, Wiesen und Wäldchen und beanspruchte daher nicht nur den alten Raum, sondern griff auch auf die Hügel über und selbst auf Teile des Forum. Auch der Tempel seines Adoptivvaters Claudius wurde miteinbezogen und mit Wasserspielen verbunden.

In der Senke wurde ein künstlicher See angelegt, umgeben von Aussichtsplattformen, Säulen und künstlichen Grotten. Vor dem Palast mit seiner vergoldeten Fassade erhob sich eine kolossale, 40 Meter hohe vergoldete Bronzestatue des Initiators und Bauherrn Nero selbst.

Im Palast gab es Zimmer mit beweglichen Gitterdecken, durch die manchmal Blumen auf die Besucher herabregneten; die Wände waren mit Mosaiken aus Perlmutt und wertvollen Steinen geschmückt; aus Düsen, die versteckt in Ritzen und Winkeln angebracht waren, konnten Schwaden duftenden Rosenwassers und andere Wohlgerüche in die Zimmer gesprüht werden;
 

die Bäder des Palasts wurden mit Meerwasser und schwefelhaltigem Wasser aus Tivoli gespeist. An allen Ecken und Enden standen Skulpturen aus Griechenland herum, darunter möglicherweise die Laokoon-Gruppe.

Bei Suetons lesen wir: In der Eingangshalle des Hauses hatte eine 120 Fuß hohe Kolossalstatue, ein Porträt Neros, Platz. Die ganze Anlage war so groß, dass sie drei Wandelhallen mit einer Meile Länge und einen künstlichen See umfasste, der von Häusern umgeben und fast wie ein Meer war. Dazu kamen Villen mit Feldern, Weinbergen und Weiden, Wälder voller wilder und zahmer Tiere aller Arten. Einige Teile des Hauses waren vollständig vergoldet und mit Gemmen und Muscheln geschmückt. In den Speisesälen gab es bewegliche Decken aus Elfenbein, durch die Blumen herabgeworfen und Parfüm versprengt werden konnte. Der Hauptraum war kreisrund und bewegte sich bei Tag und Nacht ständig, wie die Erde. Die Bäder wurden mit Meer- und Schwefelwasser gespeist. Als Nero nach Abschluss der Bauarbeiten das Haus einweihte, zeigte er sich sehr zufrieden und sagte, dass er jetzt endlich anfange, menschenwürdig zu wohnen.

 
Nach Neros Tod

Die Flavier und Trajan haben vieles getan, um nach der Ermordung Neros die Spuren des Ungeheuers, das vor ihnen regiert hatte, wieder zu verwischen. Gemeinnütziges trat an die Stelle der Lustbauten. Das Colosseum erstand, und auf dem Oppius-Hügel erwuchsen die Thermen. Nur die 30 Meter hohe Kolossalstatue aus Bronze, die Nero sich selber gesetzt hatte, fand man zu schade zum Einschmelzen. Sie blieb auf ihrem Platz im Vestibül des Goldnenen Hauses und wurde nur durch einen Strahlenkranz in ein Bild des Sonnengottes verwandelt. Später hat sie Hadrian durch seinen Architekten Decrianus neben das Amphitheater versetzt, weil er ihres Platzes für seinen Tempel der Venus und Roma bedurfte. Das Riesenbild hat dort noch lange gestanden und so dem Colosseum den Namen gegeben. Keine Urkunde meldet wann es eingeschmolzen worden ist. Als dann Domitian und Trajan ihre großen Thermen errichteten, wurde die Domus Aurea begraben. Man schüttete damals den Palast am Abhang des Oppius zu und benutzte seine Mauern zu Substruktionen der neuen Anlage.

 

Die Thermenanlage wurde durch eine Wasserleitung gespeist (Aquaeductus Trajanus), die das Wasser aus dem Lago di Bracciano bezog. Diese Wasserleitung wurde später wieder von Paul V instandgesetzt. Auf dem Gianicolo haben wir seinen Brunnen gesehen, der die Stelle markiert, wo die Wasserleitung in Rom ankommt.

Der Dichter Martial drückt die Freude der Römer über die Maßnahmen der Nachfolger Neros aus:

 

Hier, wo einst der metallglänzende Koloss die Sterne aus der Nähe betrachtete, wo die Baugerüste mitten auf der Heiligen Straße standen, hier leuchteten die verhassten Hallen des wilden Tyrannen, ein einziger Palast nahm die ganze Stadt ein. Hier, wo die staunenswerte Größe des weithin sichtbaren Amphitheaters jetzt gebaut wird, da waren einst die Teiche des Nero.

Hier bewundern wir die Thermen des Titus, ein Geschenk, das er schnell dem Volke gab, während Neros Bauplatz arrogant den Armen ihre Hütten weggenommen hatte... Rom ist sich selbst wiedergegeben, und unter deiner Herrschaft, Kaiser, ist dem Volk wieder das Vergnügen gegeben, das einst dem Tyrannen gehörte.

 

Damals wurde der ganze obere Teil des Palastes eingerissen und als Aufschüttung der Thermenanlage benutzt. Da dieses Material kein Fundament abgeben konnte, baute man zusätzliche Mauern ein, um die neuen Gebäude abzustützen. Zuerst hat man aber alle wertvollen Teile wie die Kunstwerke und die Marmorplatten abgemacht, um sie in den neuen Thermen wieder zu verwenden.

Die Thermen zerfielen ab dem Jahre 539, als die Ostgoten die Aquädukte zerstörten. Der Hügel wurde bald mit Obstgärten und Weinbergen bepflanzt, während die Erinnerung an das Goldene Haus verloren ging.

Die Wiederentdeckung in der Renaissance

Erst im 15. Jh wurden die unterirdischen Gemächer wiederentdeckt. Unter den Besuchern, die sich durch die Löcher zwängten, war auch Raffael.

Da man die verschütteten Räume als »Grotten« ansah, nannte man die Gemälde »grotesk« - und wie so oft ist das Wort erhalten geblieben, während seine Geschichte vergessen wurde. Die Loggien des Vatikans schmückte Raffael dann ganz im phantastischen Stil der Wandbilder aus Neros Palast. Weitere Besucher waren Caravaggio, Velazquez, Michelangelo und Raffaels Lehrer Perugino. Quer über die Gewölbeornamente findet man die Namen vieler berühmter Künstler gekritzelt. Ein italienisches Gedicht, das nicht lange nach der Entdeckung Amerikas entstanden ist, erzählt von romantischen Picknicks der Künstler im Goldenen Haus. Die Teilnehmer mussten auf dem Bauche kriechen, um an den Platz zu kommen, wo sie die unterirdische Mahlzeit aus Brot und Schinken, Äpfeln und Wein genießen konnten. Kunsthistorisch gesehen handelt es sich bei den Darstellungen um Malereien im sogenannten vierten pompeijanischen Stil. Doch die Gewölbe des Goldenen Hauses gerieten bald wieder in Vergessenheit.

Im 20. Jahrhundert

1907 drang der deutsche Archäologe F. Weege, sozusagen in den Fußstapfen der entdeckungsfreudigen Renaissancemenschen von 1488, dicht beim Kolosseum durch ein Loch in der Mauer der Trajansthermen und landete in einem Labyrinth unterirdischer Gewölbegänge und Gemächer. Sie waren groß teils zugeschüttet, hatten aber einst zu einem kaiserlichen Palast, dem Goldenen Haus des Nero, gehört. Weege ließ, um die Richtung nicht zu verlieren, an jeder Biegung des Wegs eine brennende Kerze zurück und erkundete so viele der 88 Gemächer - immer noch erst einen kleinen Teil der gesamten Palastanlage -, wie er vermochte. Wenn er mit seiner Kerze über den Schutt kroch, der manche Zimmer fast bis zur Decke füllte, floh unsägliches Ungeziefer, Spinnen, Tausendfüßer und anderes, zurück in die Finsternis.

Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung Weeges war ein Grundriss der Palastanlage. Die westliche Hälfte des Palastes folgte dem üblichen Schema, wobei die Zimmer entlang einem Peristyl mit Gartenanlage und Brunnen angeordnet waren. Einige Räume hatten Alkoven; man kann sie sich als die kaiserlichen Schlafzimmer Neros und seiner schönen rothaarigen Frau Poppaea vorstellen. In Neros Gemach hingen die 1808 goldenen Kränze, die er auf griechischen Sportfesten gewonnen hatte; von Sport kann man freilich kaum sprechen, denn alle Preise wurden dem Kaiser im Voraus zugeteilt und mögliche Wettbewerber von bewaffneten Wächtern ferngehalten.

Die Besichtigung

Im Eingangsbereich erleichtern Schautafeln die Orientierung. Auf ihnen sind die Bereiche der späteren Trajansthermen farblich von den Räumen der Domus Aurea abgegrenzt. Die Tafel zeigt auch, dass nur ein relativ kleiner Teil der Unterkonstruktionen für den Besucher zugänglich ist. Zu deren Besichtigung hat die Gruppe 1 Stunde Zeit. Jede Gruppe wird von einem Angestellten begleitet, der dafür sorgt, dass die Gruppe zusammenbleibt und der Zeitplan eingehalten wird.